Bitte beachten Sie die Hinweise.

Kostspielige Dachlandschaften

07.10.2015

 

Obsolescete!
Das Teure an der Gebäudehülle sind die Kanten und die Ecken. Jeder Meter Verschneidung von Dach und Wand, sei es als Wandüberstand oder Anschluss an aufgehende Dachflächen ist zudem eine zusätzliche Fehlerquelle und Schwachstelle. Unnötige Ränder von Außenflächen gilt es zu vermeiden.
Zum Glück sind die komplexen Dachlandschaften der Siebziger und Achtziger des vorigen Jahrhunderts nicht mehr zwingend angesagt. Der Wille zur Gestaltung hatte mit der damaligen Mode viele Materialien und Bauweisen an ihre Grenzen geführt … und weit darüber hinaus.
Vereinzelt werden noch Exemplare der Gattung „tectum contortiplicatum“ in freier Wildbahn angetroffen. Sie werfen dann die üblichen Komplikationen auf, wie zum Beispiel die Wandanschlussschiene auf Sandwichelement oder den Anschluss von Wandkopfabdeckungen an aufgehende Wandflächen. Ein schönes Exemplar zeigen die beiden Detailfotos einer aufgehenden Wandecke.
Das Problem ist grundsätzlicher Natur. Es sind Anschlüsse planbar, die kein Handwerker der Zunft fachgerecht auszuführen vermag – auf jeden Fall keinesfalls mit den zugelassenen Mitteln des Industriebaus und zu akzeptablen Kosten.

 

 Cui bono?
In besonders krassen Fällen drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass nicht Planung die Ursache des Übels ist, sondern Vernachlässigung derselben.

Jede fachkundige Architektin oder Ingenieurin erkennt bei der Durchsicht einer Dachplanung, ob die entstehenden Übergänge ausführbar sind, und wird im Zweifelsfall eine Lösung vorschlagen. Sie muss natürlich dafür erst einmal mit der Planung oder Beratung beauftragt werden.


Oft wird die ausführende Firma mit dem Problem alleingelassen – und mit den Mehrkosten und dem Konfliktpotential. Das ist – auf jeden Fall im Zeitraum der Gewährleistung – die einzige Möglichkeit für die Bauherrschaft, die erhoffte Ersparnis aus der Reduktion von Gebäudeteilen auf die jeweilige Mindesthöhe zu realisieren.


Simplicissime
Die einfachste und eleganteste Lösung besteht darin, alle Teilgebäude in einer quaderförmigen Hülle einzuschließen. Anforderungen an die Klimatisierung verschiedener Gebäudeteile wird durch Trennwände und – falls erforderlich – Unterdecken Rechnung getragen.

Dabei mehren sich die Außenflächen in dem meisten Fällen nicht wesentlich, die Zahl und Gesamtlänge der erforderlichen Übergänge kann jedoch minimiert werden.
Das erste Bild zeigt drei unterschiedliche Gebäudeteile unterschiedlicher Höhe. Es entstehen unvermeidlich umlaufend Kanten und zusätzliche Kanten von Teil 1 nach Teil 2, Teil 1 nach Teil 3 und Teil 2 nach Teil 3, sowie drei zusätzliche Begrenzungen von Dachflächen, einmal Teil 2 und zweimal Teil 3.

Eine Umhüllung der gesamten Gebäudegeometrie – siehe zweites Bild, dort mit einer „4“ markiert – reduziert die Kanten auf das Minimum. Das wurde erkauft mit einer Mehrung der Wandflächen, die Stirnseiten von Teil 1 zur Ebene 4, und der Längsrand von Teil 2 zur Ebene 4, grün eingefärbt in der nachstehenden Abbildung.

Es ist eine leichte Übung, die Kosten für die Mehrung der Wandflächen denen aus Minderung der Verschneidungen gegenüberzustellen. Dabei sollte das Risiko für Gewährleistungsfälle bewertet werden.


In summa
Komplizierte Dachgeometrien sind Kostentreiber und Fehlerquellen. Unternehmen im Industriebau und deren Bauherrschaft sollten diese im eigenen Interesse zugunsten vereinfachter Strukturen meiden.

 

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